Der Verschluss steuert die Belichtungszeit, also wie lange Licht auf den Sensor fällt. Es gibt drei Typen: Zentralverschluss (gleichzeitige Belichtung, ideal für Blitz), Schlitzverschluss (Metallvorhänge, kurze Zeiten, aber Bildverzerrungen möglich) und elektronischer Verschluss (lautlos, sehr kurze Zeiten, Rolling-Shutter-Effekt möglich). Die Blitzsynchronzeit ist besonders bei Schlitzverschlüssen wichtig.
Rubrik: Fotografie-Grundlagen > 2. Kameratechnik & Aufbau Beitrag-ID: 2.8 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Der Verschluss kontrolliert, wie lange Licht auf den Sensor (oder Film) fällt – er bestimmt die Belichtungszeit
- Es gibt drei Typen: Zentralverschluss, Schlitzverschluss und elektronischer Verschluss
- Beim Schlitzverschluss ist die Blitzsynchronzeit zu beachten – die kürzeste Zeit, bei der der gesamte Sensor gleichzeitig belichtet wird
Erklärung
Was macht der Verschluss?
Sensor und Film sind extrem lichtempfindlich. Ohne Verschluss würde schon normales Tageslicht innerhalb von Millisekunden zu einer vollständigen Überbelichtung führen. Der Verschluss ist deshalb standardmäßig geschlossen – nur beim Auslösen öffnet er sich für die eingestellte Belichtungszeit (z. B. 1/500 s) und schließt sich dann wieder.
Typische Belichtungszeiten in abgestufter Reihe (jede Stufe halbiert die Lichtmenge):
8 s → 4 s → 2 s → 1 s → 1/2 s → 1/4 s → 1/8 s → 1/15 s → 1/30 s → 1/60 s → 1/125 s → 1/250 s → 1/500 s → 1/1000 s
Die drei Verschlusstypen
1. Zentralverschluss
- Besteht aus kurvenförmigen Lamellen, die sich von der Mitte aus öffnen und schließen
- Belichtet den gesamten Sensor gleichzeitig – ideal für Blitzfotografie (keine Blitzsynchronzeit)
- Typisch bei: Kompaktkameras und Großformatkameras
- Nachteil: Sehr kurze Belichtungszeiten (unter 1/1000 s) sind aufwändig zu realisieren
2. Schlitzverschluss
- Besteht aus zwei Metallvorhangsystemen (Vorhang 1 und Vorhang 2)
- Funktionsprinzip: Vorhang 1 öffnet sich → Sensor wird belichtet → Vorhang 2 schließt sich
- Bei sehr kurzen Belichtungszeiten schließt Vorhang 2 bereits, bevor Vorhang 1 ganz geöffnet ist → es entsteht ein wandernder Schlitz, der den Sensor schrittweise belichtet
- Ermöglicht extrem kurze Zeiten bis 1/4000 s oder mehr
- Typisch bei: DSLRs und DSLMs
- Nachteil: Bei schnell bewegten Motiven kann der Schlitz zu Bildverzerrungen führen (z. B. bei Hubschrauberrotoren oder Rennwagen)
Blitzsynchronzeit beim Schlitzverschluss: Weil der gesamte Sensor nur unterhalb einer bestimmten Belichtungszeit gleichzeitig offen ist, gibt es eine Blitzsynchronzeit (typisch 1/125 s bis 1/300 s). Bei kürzeren Zeiten deckt Vorhang 2 bereits Teile des Sensors ab – der Blitz würde dann nur einen Streifen belichten.
3. Elektronischer Verschluss
- Kein mechanisches Bauteil – der Sensor wird rein elektronisch ein- und ausgeschaltet
- Ermöglicht sehr kurze Zeiten (bis 1/16.000 s) und ist lautlos
- Typisch bei: spiegellosen Systemkameras (DSLM) im Silent-Modus
- Nachteil: Kann bei schnellen Bewegungen ebenfalls zu Verzerrungen führen (Rolling-Shutter-Effekt), da der Sensor zeilenweise ausgelesen wird – nicht alle Pixel gleichzeitig
Verschlusstypen im Vergleich
| Merkmal | Zentralverschluss | Schlitzverschluss | Elektronischer Verschluss |
|---|---|---|---|
| Blitzsynchronzeit | Keine Einschränkung | 1/125–1/300 s | Keine Einschränkung |
| Kürzeste Belichtungszeit | ~1/1000 s | ~1/4000–1/8000 s | ~1/16.000 s |
| Geräusch | Leise | Deutlich hörbar | Lautlos |
| Verzerrung bei Bewegung | Nein | Möglich | Möglich (Rolling Shutter) |
| Typische Kamera | Kompakt, Großformat | DSLR, DSLM | DSLM (Silent-Modus) |
Praxistipp
Wer regelmäßig mit Blitz fotografiert, sollte die Blitzsynchronzeit seiner Kamera kennen und nie unterschreiten – sonst erscheint nur ein Teil des Bildes belichtet. Bei den meisten DSLRs liegt sie zwischen 1/125 s und 1/200 s. Sie ist in den technischen Daten der Kamera angegeben.