Timelapse ist eine Technik, bei der in regelmäßigen Abständen Fotos aufgenommen und zu einem Video zusammengesetzt werden, um langsame Prozesse zu beschleunigen darzustellen. Wichtige Parameter sind Intervall, Gesamtdauer und Framerate. Technisch sind manuelle Kameraeinstellungen, Stativ, Intervallometer und ausreichend Akku sowie Speicher notwendig. Flicker-Probleme werden durch fixe Blendenstellung oder Deflicker-Software wie LRTimelapse gelöst. Für Einsteiger eignen sich Wolkenaufnahmen mit kurzen Intervallen.
Rubrik: Fotografie – Fortgeschrittene Themen > 12. Kamera & Technik – Vertiefung Beitrag-ID: 12.7 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Timelapse (Zeitraffer) ist eine Sequenz von Einzelfotos, die in regelmäßigen Intervallen aufgenommen und zu einem Video zusammengesetzt werden – langsame Prozesse erscheinen dann schnell
- Die wichtigsten Parameter: Intervall (wie oft wird ausgelöst), Gesamtdauer (wie lange wird aufgenommen) und Framerate des fertigen Videos
- Kamera muss kalibriert werden um Flicker (Helligkeitsschwankungen zwischen Frames) zu vermeiden
Erklärung
Was ist ein Timelapse?
Beim Timelapse werden in regelmäßigen Abständen Einzelfotos aufgenommen. Diese Fotos werden hintereinander als Videosequenz abgespielt – dabei erscheinen langsame Prozesse (Wolkenbewegung, Sonnenauf-/untergang, Pflanzenwachstum, Baustellen) beschleunigt.
Typische Anwendungen:
- Wolkenbewegung und Wettergeschehen
- Sonnenauf- und -untergang
- Sternenhimmel-Timelapse (Sternspuren)
- Stadtverkehr und Menschenströme
- Baustellendokumentation
- Pflanzenwachstum (Makro-Timelapse)
Die wichtigsten Berechnungen
Intervall: Wie viel Zeit liegt zwischen zwei Aufnahmen?
- Wolken: 1–5 Sekunden
- Sonne: 5–15 Sekunden
- Pflanzenwachstum: 30 Minuten – mehrere Stunden
Framerate des Videos: Typisch 24 oder 25 fps (frames per second)
Formel – Anzahl benötigter Bilder:
Bilder = Videolänge (Sekunden) × Framerate
Beispiel: 10 Sekunden Video bei 25 fps = 250 Bilder
Formel – Gesamtaufnahmedauer:
Gesamtdauer = Anzahl Bilder × Intervall
Beispiel: 250 Bilder × 5 Sekunden Intervall = 1.250 Sekunden = ca. 21 Minuten Aufnahme
Technische Anforderungen
Ausrüstung:
- Kamera mit Intervallometer (eingebaut oder extern) – löst automatisch im eingestellten Intervall aus
- Stativ – absolut unverzichtbar; selbst minimale Bewegungen sind im Zeitraffer sichtbar
- Ausreichend Akku – externe Stromversorgung für lange Sessions empfohlen
- Ausreichend Speicher – 250 RAWs à 25 MB = 6,25 GB
Kamera-Einstellungen:
- Manuell (M) einstellen – kein Auto-ISO, kein Auto-Weißabgleich → sonst Helligkeits- und Farbschwankungen zwischen Frames
- Manualfokus – AF kann zwischen Frames unterschiedlich auslösen
- Bildstabilisator ausschalten – kann bei Stativnutzung Eigenbewegungen erzeugen
- Belichtungszeit kürzer als Intervall – bei 5 Sekunden Intervall max. 4 Sekunden Belichtungszeit
Das Flicker-Problem
Flicker sind sichtbare Helligkeitsschwankungen zwischen aufeinanderfolgenden Frames. Ursachen:
- Mechanische Blendenlamellen schließen bei automatischer Blende nie exakt gleich → unterschiedliche Lichtmengen
- Lichtveränderungen (Wolken, Sonnenstand)
- Auto-ISO oder Auto-Belichtung
Lösungen:
- Lens Twist: Objektiv leicht aus dem Bajonett drehen bis die elektronische Verbindung unterbrochen ist → Blende bleibt fixiert offen. Funktioniert bei DSLRs und DSLM mit physischen Blendenringen.
- Holy Trinity Methode: Blende am Objektiv direkt einstellen (manuelle Altglas-Objektive)
- Deflicker in Post: LRTimelapse, Lightroom oder After Effects bieten Deflicker-Algorithmen
Post-Processing
LRTimelapse (empfohlen): Spezialisierte Software für Timelapse-Bearbeitung. Bietet:
- Deflickering
- Automatische Keyframe-Interpolation (Weißabgleich, Belichtung über Zeit anpassen)
- Lightroom-Integration
Lightroom + Photoshop:
- Alle Frames in Lightroom entwickeln (Batch)
- Als JPEG-Sequenz exportieren
- In Photoshop, Premiere oder After Effects zu Video zusammensetzen
Schritt-für-Schritt Minimal-Workflow:
- Fotos als JPEG importieren
- Erstes Bild bearbeiten → auf alle synchronisieren
- Exportieren als nummerierte JPEG-Sequenz
- In Photoshop: Datei → Importieren → Videoframes in Ebenen → als Video exportieren
Praxistipp
Für den ersten Timelapse: Wolken an einem bewölkten Tag sind ideal – schnelle Bewegung, kurzes Intervall (3–5 s), 20–30 Minuten Aufnahme, 100–200 Fotos. Das ist überschaubar, das Ergebnis schnell sichtbar und die technischen Anforderungen sind gering. Dann erst zu komplexeren Szenarien (Nacht, Sternenhimmel, Sunset) weitergehen.