Fokus-Stacking kombiniert mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfeebenen zu einem Bild mit maximaler Schärfentiefe, besonders nützlich in Makro- und Produktfotografie. Dabei werden 10–50 Bilder mit verschobenem Fokus aufgenommen und per Software wie Helicon Focus oder Photoshop zu einem scharfen Gesamtbild verarbeitet. Wichtig sind Stativ, manuelle Fokussierung und konstantes Licht.
Rubrik: Fotografie – Fortgeschrittene Themen > 11. Fortgeschrittene Bildbearbeitung Beitrag-ID: 11.5 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Fokus-Stacking kombiniert mehrere Aufnahmen mit jeweils unterschiedlicher Schärfeebene zu einem einzigen Bild mit maximaler Schärfentiefe
- Besonders nützlich in der Makrofotografie und Produktfotografie, wo die Schärfentiefe physikalisch begrenzt ist
- Software analysiert jede Aufnahme und wählt nur die jeweils schärfsten Bereiche aus
Erklärung
Das Problem: Begrenzte Schärfentiefe bei Makro
Bei Makroaufnahmen mit Abbildungsmaßstab 1:1 und geschlossener Blende (f/11) beträgt die Schärfentiefe oft nur 1–5 mm – bei einem Insektenkopf ist der Fokus entweder auf den Augen oder auf dem Rüssel, nie auf beidem gleichzeitig.
Fokus-Stacking löst dieses Problem: Man nimmt 10–50 Aufnahmen auf, bei denen die Schärfeebene jeweils leicht weiter verschoben wird. Die Software kombiniert alle Aufnahmen zu einem einzigen Bild, das von vorne bis hinten scharf ist.
Schritt-für-Schritt: Aufnahme
Ausrüstung:
- Stativ (absolut notwendig – das Motiv darf sich zwischen den Aufnahmen nicht bewegen)
- Fernauslöser oder Selbstauslöser
- Makroobjektiv oder Nahlinse
- Bei DSLR: Spiegelvorauslösung aktivieren
Vorgehensweise:
- Kamera auf Stativ, Motiv scharf auf den vordersten Punkt fokussieren
- Manuellen Fokus nutzen (oder Fokus-Stacking-Modus der Kamera)
- Serie von Aufnahmen erstellen, bei jeder den Fokus leicht nach hinten verschieben
- So viele Aufnahmen bis der hinterste relevante Punkt scharf war
Fokus verschieben – zwei Methoden:
- Objektivring: Fokusring des Objektivs leicht drehen zwischen Aufnahmen (ungenau, aber einfach)
- Kamera verschieben: Makro-Schlitten (Rail) physisch um wenige mm nach vorne/hinten schieben – präziser
Kamera-internes Fokus-Stacking: Viele moderne Kameras (Canon, Nikon, Sony, Olympus) bieten einen eingebauten Fokus-Stacking-Modus, der automatisch eine Serie von Aufnahmen mit verschobener Schärfeebene erstellt.
Software für Fokus-Stacking
| Software | Kosten | Stärken |
|---|---|---|
| Helicon Focus | ~50–200 €/Jahr | Spezialist, beste Ergebnisse, alle Methoden |
| Zerene Stacker | ~90 $ | Sehr gut für Insekten und Haare |
| Photoshop | Im Creative Cloud Abo | Gut integriert, einfacher Workflow |
| GIMP + Plugins | Kostenlos | Eingeschränkt, für einfache Fälle |
In Photoshop:
- Alle Aufnahmen als Ebenen in ein Dokument laden (Datei → Skripts → Dateien in Stapel laden)
- Alle Ebenen auswählen → Bearbeiten → Ebenen automatisch ausrichten
- Bearbeiten → Ebenen automatisch überblenden → „Bilder stapeln" + „Nahtlose Töne und Farben"
- Photoshop erstellt eine Kombinations-Ebene mit optimaler Schärfe
Typische Probleme und Lösungen
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Geisterbilder / Halo-Artefakte | Bewegung zwischen Aufnahmen | Kürzere Belichtungszeit, kein Wind |
| Unschärfebereiche bleiben | Zu wenige Aufnahmen | Mehr Bilder mit kleinerem Fokus-Schritt |
| Farbverschiebungen | Licht änderte sich | Konstantes Licht (Studiolicht, kein Sonnenlicht) |
| Verzerrte Übergänge | Kameraposition verändert | Stativ stabiler, Spiegel-Vorlauf nutzen |
Praxistipp
Für den ersten Versuch: Ein ruhiges Motiv wählen – eine Blüte im Zimmer (kein Wind), Schmuckstück oder Münze. 10–15 Aufnahmen mit leichter Fokusverschiebung, dann in Photoshop „Ebenen automatisch überblenden". Das Ergebnis ist fast immer beeindruckend – und das Prinzip wird sofort klar. Danach kann man zu natürlichen Motiven draußen übergehen.