Der Artikel erklärt, wie man Fotos in Schwarz-Weiß konvertiert, wobei die Entsättigung als schlechte Methode gilt. Besser ist der Einsatz des Kanal-Mixers, der die Helligkeit einzelner Farbkanäle steuert und so Kontraste erhält. In Lightroom wird empfohlen, in Farbe zu fotografieren und später mit SW-Panel und Tonwertkurve zu bearbeiten. Toning wie Sepia oder Split Toning verleiht SW-Bildern eine eigene Farbstimmung.
Rubrik: Fotografie-Grundlagen > 8. Digitale Nachbearbeitung Beitrag-ID: 8.9 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Schwarz-Weiß-Konvertierung geht weit über das einfache Entsättigen hinaus – der Kanal-Mixer ermöglicht volle Kontrolle darüber, wie helle oder dunkle eine Farbe im SW-Bild erscheint
- Immer in Farbe aufnehmen und erst in der Bearbeitung konvertieren – so bleibt maximale Information für die Konvertierung erhalten
- Toning (Sepia, Split Toning) verleiht SW-Bildern eine eigene Farbstimmung
Erklärung
Warum nicht einfach entsättigen?
Entsättigen (Sättigung auf 0) ist die einfachste, aber schlechteste Methode:
- Alle Farben werden nach ihrer Helligkeit in Grautöne umgewandelt
- Rote und Grüne Töne haben ähnliche Helligkeit → sie werden zu fast identischem Grau → kein Kontrast mehr
- Ergebnis: Flaches, kontrastloses Graubild
Beispiel: Ein Porträt mit roter Kleidung vor grünem Hintergrund → beide erscheinen nach Entsättigung fast identisch grau → Kleidung verschwindet im Hintergrund.
Der Kanal-Mixer / SW-Mixer
Der Schwarz-Weiß-Konverter (in Lightroom: SW-Panel) erlaubt, zu kontrollieren, wie hell jeder Farbkanal im SW-Bild erscheint:
| Farbe | Bereich im Bild | Typische Anpassung |
|---|---|---|
| Rot | Hauttöne, rote Objekte | Höher → helle, glatte Haut; niedriger → dramatisch, texturiert |
| Orange | Hauttöne, Herbstlaub | Aufhellen für weiche Porträts |
| Gelb | Tageslicht, Wiesen | Aufhellen für leuchtende Landschaften |
| Grün | Vegetation, Rasen | Aufhellen oder abdunkeln je nach Gewünschtem |
| Blau | Himmel, Wasser | Abdunkeln → dramatischer Himmel mit Kontrast zu Wolken |
| Lila/Magenta | Blüten, Kunstlicht | Selten nötig |
Klassische Landschafts-SW: Blau abdunkeln → dramatischer Himmel. Gelb und Grün aufhellen → leuchtende Vegetation.
Klassisches Porträt-SW: Orange und Rot aufhellen → helle, weiche Hauttöne.
Schritt-für-Schritt in Lightroom
- Foto in Lightroom öffnen
- Im Entwicklungsmodul: SW (oben rechts im Grundeinstellungen-Panel) aktivieren
- Im SW-Panel: Farbkanäle nach Wunsch anpassen
- Kontrast über Tonwertkurve einstellen
- Optional: Schärfen und Rauschreduzierung anpassen
Alternative: Schwarzweiß-Mischungsregler direkt in der Farbe ziehen mit der Zielauswahl-Pipette – über den Bildbereich ziehen, der heller/dunkler werden soll, dann rauf/runter ziehen.
Toning: Farbe zurück ins SW-Bild bringen
Sepia: Warmer brauner Ton – erinnert an alte Fotografien. In Lightroom: Farbton (Toning) mit warmem Orangeton belegen, Sättigung ca. 20–30.
Split Toning: Verschiedene Farbtöne für Tiefen und Lichter:
- Tiefen blau, Lichter golden → filmischer Retro-Look
- Tiefen grün, Lichter gelb → militärischer/dokumentarischer Look
Duotone: Nur zwei Farbtöne im ganzen Bild → eigenwilliger, künstlerischer Charakter.
Praxistipp
Für den Einstieg in die SW-Fotografie: In Farbe fotografieren, in Lightroom SW aktivieren und den Blau-Regler auf −30 bis −50 setzen. Der Himmel wird sofort dramatischer und dunkler, Wolken heben sich hervor. Das allein macht den größten Unterschied zwischen einem flachen und einem charaktervollen SW-Bild.