Blitzlicht ermöglicht bei schlechten Lichtverhältnissen scharfe Fotos und kreative Lichtgestaltung. Integrierte Blitze sind schwach und erzeugen hartes Licht, während externe Aufsteckblitze flexibler und leistungsstärker sind. Die Blitzsynchronzeit muss beachtet werden, um Belichtungsfehler zu vermeiden. Indirekter Blitz und entfesseltes Blitzen sorgen für weicheres Licht und mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Der Rote-Augen-Effekt kann durch verschiedene Techniken reduziert werden.
Rubrik: Fotografie-Grundlagen > 3. Belichtung & Kameraeinstellungen Beitrag-ID: 3.13 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Blitzlicht ermöglicht Aufnahmen bei schlechtem Licht und kann gezielt zur Bildgestaltung eingesetzt werden
- Der integrierte Kamerablitz ist praktisch, aber schwach und erzeugt hartes, frontales Licht – ein externer Aufsteckblitz bietet deutlich mehr Flexibilität
- Die Blitzsynchronzeit muss beim Schlitzverschluss beachtet werden – Überschreiten führt zu nur teilweise belichteten Bildern
Erklärung
Wofür brauche ich Blitzlicht?
Blitzlicht ist in folgenden Situationen sinnvoll:
- Dämmerung / Dunkelheit: Belichtungszeit ohne Blitz zu lang → Verwacklung oder Bewegungsunschärfe
- Aufhellung von Schatten: Gegenlicht oder harter Schatten im Gesicht → Aufhellblitz (Fill Flash)
- Bewegte Motive: Sehr kurze Blitzzeit (~1/10.000 s) friert Bewegungen ein, die mit der Kamera allein nicht einzufrieren wären
- Kreative Lichtgestaltung: Gezieltes Ausleuchten im Studio
Wann Blitz vermeiden:
- Museen, Theater, Tierschauhäuser (oft verboten)
- Motive hinter Glasscheiben (Reflexionen)
- Wenn die vorhandene Lichtstimmung erhalten bleiben soll
Die Leitzahl – Reichweite des Blitzes
Die Leitzahl (LZ) beschreibt die Lichtleistung eines Blitzgeräts. Formel:
LZ = Abstand (m) × Blendenwert
Umgestellt: Abstand = LZ ÷ Blendenewert
Beispiel: Blitz mit LZ 32, Blende f/8 → Reichweite = 32 ÷ 8 = 4 Meter
Wichtig: Die Formel gilt für ISO 100. Bei ISO 400 (doppelte ISO-Verdopplung) verlängert sich die Reichweite um Faktor 2 → bei ISO 400: 4 m × 2 = 8 Meter.
Typische Leitzahlen:
- Integrierter Kamerablitz: LZ 8–15
- Aufsteckblitz (Einsteiger): LZ 20–32
- Aufsteckblitz (Profi): LZ 50–60+
Blitzsynchronzeit
Kameras mit Schlitzverschluss haben eine maximale Synchronzeit für den Blitz – typisch 1/125 s bis 1/250 s. Wird schneller belichtet, ist der gesamte Sensor nie gleichzeitig offen, sodass der Blitz nur einen Streifen des Bildes belichtet.
Lösung bei schnellen Zeiten: High-Speed-Sync (HSS) – viele moderne Systemblitzgeräte können mit vielen kurzen Pulsen auch bei 1/1000 s und kürzer synchronisieren, allerdings mit reduzierter Leistung.
Der integrierte Kamerablitz
Fast alle Kompaktkameras und viele DSLRs / DSLMs haben einen eingebauten Blitz. Er ist bequem, hat aber klare Nachteile:
| Eigenschaft | Integrierter Blitz | Externer Aufsteckblitz |
|---|---|---|
| Leitzahl | 8–15 (schwach) | 20–60 (deutlich stärker) |
| Lichtrichtung | Frontal, hart | Schwenkbar, indirekt möglich |
| Rote-Augen-Effekt | Häufig | Selten (Abstand zur Optik) |
| Batteriebelastung | Kameraakku | Eigene Batterien |
| Flexibilität | Keine | Hoch |
Der Rote-Augen-Effekt
Entsteht, wenn Blitzlicht auf der Achse des Objektivs auf die Netzhaut trifft und reflektiert wird – besonders bei großen Pupillen in der Dunkelheit.
Lösungen:
- Externen Blitz weit von der Objektivachse entfernen
- Vorblitz (Red-Eye-Reduction): Verkleinert die Pupille vor der eigentlichen Aufnahme – aber: Menschen blinzeln oft auf den Vorblitz
- Nachträgliche Korrektur in der Bildbearbeitung (schnell und einfach)
- Zusätzliche Raumbeleuchtung einschalten
Indirekter Blitz (Bounce Flash)
Beim indirekten Blitzen wird der schwenkbare Reflektor des Aufsteckblitzes auf Decke oder Wand gerichtet. Das Licht wird gestreut und fällt weich und diffus auf das Motiv.
Vorteile:
- Weicheres, natürlicheres Licht
- Keine harten Schlagschatten
- Kein Rote-Augen-Effekt
Nachteile:
- Reichweite wird stark reduziert
- Decke oder Wand sollte weiß sein (sonst Farbstich im Bild)
Entfesseltes Blitzen
Ein Blitz muss nicht auf der Kamera sitzen – er kann mit einem Kabel (Synchronkabel), per Infrarot oder Funk frei im Raum positioniert werden. Das ermöglicht kreative Lichtführung aus jeder Richtung und ist Grundlage der Studio- und Portraitfotografie mit mehreren Blitzen.
TTL-Blitzsteuerung: Viele Systeme unterstützen automatische Belichtungsmessung durch das Objektiv (TTL). Die Kamera sendet kurz vor der Aufnahme einen Testblitz und berechnet die optimale Blitzleistung – herstellerspezifisch, nicht standardisiert.
Praxistipp
Beim Aufhellblitzen im Freien (Gegenlicht, Schatten im Gesicht) die Blitzleistung auf −1 bis −2 EV reduzieren – der Blitz soll das Motiv aufhellen, nicht überstrahlen. Wirkt das Licht zu hart, einfach ein weißes Blatt Papier vor den Blitz halten – das streut das Licht und macht es weicher. Ein Schritt Richtung Studio-Look, ohne Studioausrüstung.