Die Belichtungskorrektur (EV) ermöglicht es, die automatische Belichtung der Kamera manuell heller (+) oder dunkler (−) zu stellen, z.B. bei Schnee (+1 bis +2 EV) oder dunklen Szenen (−1 bis −2 EV). Nach der Aufnahme sollte der Wert auf 0 zurückgesetzt werden. Alternativ kann die Messwertspeicherung oder eine Graukarte für präzise Belichtungen genutzt werden. Belichtungsreihen helfen bei unsicherem Licht und ermöglichen HDR-Bilder.
Rubrik: Fotografie-Grundlagen > 3. Belichtung & Kameraeinstellungen Beitrag-ID: 3.8 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Die Belichtungskorrektur (EV +/-) ermöglicht es, die automatisch berechnete Belichtung der Kamera gezielt heller (+) oder dunkler (−) zu korrigieren
- Typisch eingesetzt bei: Schnee, weißen Motiven (+1 bis +2), dunklen Szenen (−1 bis −2) und Gegenlicht
- Nach der Aufnahme den Wert wieder auf 0 zurücksetzen – sonst werden alle Folgeaufnahmen falsch belichtet
Erklärung
Was ist die Belichtungskorrektur?
Die Belichtungskorrektur ist ein Wert, mit dem die automatische Belichtungsberechnung der Kamera manuell übersteuert werden kann. Sie wird in EV-Stufen (Exposure Values, Belichtungswerte) angegeben, meist in Drittelschritten – typischerweise von −2 bis +2 EV, bei manchen Kameras bis −5 bis +5 EV.
- +1 EV → Bild wird eine Belichtungsstufe heller als die Automatik
- −1 EV → Bild wird eine Belichtungsstufe dunkler als die Automatik
- 0 EV → Automatik entscheidet unverändert
Die Kamera passt dafür intern Verschlusszeit und/oder Blende an, je nach gewähltem Belichtungsprogramm.
Wann ist Belichtungskorrektur nötig?
Die automatische Belichtungsmessung geht von einem Referenzwert von 18 % Grau aus (→ Beitrag 3.6). In folgenden Situationen weicht die Realität so stark davon ab, dass eine Korrektur nötig wird:
| Situation | Problem | Korrektur |
|---|---|---|
| Schnee, weißer Strand, helle Wände | Kamera belichtet zu dunkel → Schnee wirkt grau | +1 bis +2 EV |
| Hochzeitskleid, weißes Papier | Kamera belichtet zu dunkel → Weiß wirkt grau | +1 EV |
| Dunkler Hintergrund (z. B. Bühne) | Kamera überbelichtet das Hauptmotiv | −1 bis −2 EV |
| Gegenlicht (Sonne im Rücken des Motivs) | Motiv wird zur Silhouette | +1 bis +2 EV (oder Blitz) |
| Sonnenuntergang | Kamera belichtet zu hell → Farben wirken fahl | −1 bis −2 EV |
Die Messwertspeicherung als Alternative
Wer keine direkte Belichtungskorrektur-Taste hat (oder feinere Kontrolle möchte), kann die Messwertspeicherung nutzen:
- Kamera auf einen mittelhellen Bereich im Bild richten (z. B. graue Fläche, Hautton)
- Auslöser halb drücken → Belichtungswert wird gespeichert
- Kamera auf das eigentliche Motiv schwenken
- Auslöser vollständig drücken
Die Aufnahme erfolgt mit den gespeicherten Belichtungswerten – nicht mit denen des tatsächlichen Bildausschnitts.
Achtung: Beim halben Drücken wird oft auch der Fokus mitgespeichert. Bei bewegten Motiven oder wenn Schärfe und Messung auf verschiedene Stellen fallen sollen, lieber manuellen Fokus nutzen.
Die Graukarte: professionelle Kalibrierung
Eine Graukarte ist eine Referenzkarte mit exakt 18 % Grau – dem Referenzwert der Kamerabelichtung. Vorgehen:
- Graukarte formatfüllend vor die Kamera halten (gleiches Licht wie das Motiv!)
- Messwertspeicherung auslösen
- Kamera auf das Motiv richten und aufnehmen
Ergebnis: Das Motiv wird exakt so belichtet, wie es der Kameramessung entspricht – ohne durch dominante Hell- oder Dunkelfelder gestört zu werden. Nützlich besonders bei Studiofotografie, Produktfotografie und schwierigen Lichtverhältnissen.
Belichtungsreihen (Bracketing)
Bei unsicheren Lichtverhältnissen oder wenn der Kameramonitor keine zuverlässige Beurteilung erlaubt, lohnt sich eine Belichtungsreihe: Mehrere Aufnahmen desselben Motivs mit unterschiedlicher Belichtung (z. B. −1, 0, +1 EV). Viele Kameras bieten das automatisch an (AEB = Auto Exposure Bracketing).
Zusatznutzen: Belichtungsreihen können später zu einem HDR-Bild zusammengeführt werden, das sowohl in hellen als auch dunklen Bereichen Details zeigt (→ Beitrag 8.8).
Praxistipp
Den Belichtungskorrektur-Regler immer nach der Aufnahme auf 0 zurückstellen – das ist der häufigste Anfängerfehler. Wer eine Kamera mit physischem Belichtungskorrektur-Rad hat, sollte es nach jeder Session kurz überprüfen. Alternativ: die ISO-Auto-Grenze so einstellen, dass die Kamera bei ausbleibendem Licht lieber den ISO erhöht statt die Belichtungskorrektur zu ignorieren.