Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Kameraverschluss geöffnet ist und Licht auf den Sensor fällt. Kurze Zeiten frieren Bewegung ein, lange erzeugen Bewegungsunschärfe. Ab ca. 1/60 s droht Verwacklung, die Faustregel lautet: Verschlusszeit ≥ 1/Brennweite. Belichtungszeiten beeinflussen kreativ die Darstellung von Bewegung, von eingefrorenem Sport bis zu Lichtspuren bei Langzeitbelichtung.
Rubrik: Fotografie-Grundlagen > 3. Belichtung & Kameraeinstellungen Beitrag-ID: 3.3 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Die Belichtungszeit (auch: Verschlusszeit) gibt an, wie lange der Kameraverschluss offen ist und Licht auf den Sensor fällt
- Kurze Belichtungszeiten frieren Bewegung ein, lange Zeiten erzeugen Bewegungsunschärfe – beide können gestalterisch eingesetzt werden
- Ab ca. 1/60 s droht Verwacklung durch die Kamerahaltung – die Faustregel lautet: Verschlusszeit ≥ 1/Brennweite
Erklärung
Was ist die Belichtungszeit?
Die Belichtungszeit (Verschlusszeit, Belichtungsdauer) beschreibt, wie lange der Verschluss der Kamera bei einer Aufnahme geöffnet bleibt. Sie wird in Sekunden angegeben – meist als Bruch, zum Beispiel 1/250 s oder 1/60 s. Längere Zeiten werden als volle Sekunden angegeben (z. B. 2 s, 10 s).
Grundregel: Je länger die Belichtungszeit, desto mehr Licht fällt auf den Sensor und desto heller wird das Bild. Verdoppelt sich die Zeit, verdoppelt sich die Lichtmenge.
Die standardisierten Belichtungszeiten
Die gebräuchlichsten vollen Stufen sind:
1/4000 – 1/2000 – 1/1000 – 1/500 – 1/250 – 1/125 – 1/60 – 1/30 – 1/15 – 1/8 – 1/4 – 1/2 – 1 s – 2 s – 4 s – 8 s – 15 s – 30 s – 60 s
Jede Stufe verdoppelt die Belichtungszeit (und damit die Lichtmenge) gegenüber der vorherigen. Viele Kameras bieten zusätzlich halbe und Drittel-Stufen für feinere Kontrolle. Im Bulb-Modus bleibt der Verschluss so lange offen, wie der Auslöser gedrückt wird – ideal für Belichtungen von mehreren Minuten oder Stunden.
Die gestalterische Wirkung der Belichtungszeit
Die Belichtungszeit ist der entscheidende Parameter für die Darstellung von Bewegung:
| Belichtungszeit | Wirkung auf Bewegung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 1/1000 s und kürzer | Bewegung eingefroren | Sport, Tiere, Spritzwasser |
| 1/250 – 1/500 s | Alltägliche Bewegung eingefroren | Porträt, Straße, Reise |
| 1/60 – 1/125 s | Leichte Bewegungsunschärfe möglich | Allround, schwache Lichtbedingungen |
| 1/15 s und länger | Deutliche Bewegungsunschärfe | Wasserfall, Lichtspuren, kreative Effekte |
| Mehrere Sekunden | Extreme Verwischung, Sterne bewegen sich | Nachtfotografie, Lichtmalerei |
Verwacklungsgefahr ab wann?
Neben der Bewegung des Motivs spielt auch die Kamerabewegung eine Rolle. Ab einer bestimmten Belichtungszeit führt das normale Zittern der Hände zum Verwackeln des Bildes.
Faustregel: Die Mindest-Verschlusszeit für verwacklungsfreie Freihandaufnahmen entspricht dem Kehrwert der Brennweite (im Kleinbildformat):
- 50 mm Objektiv → mindestens 1/50 s
- 200 mm Objektiv → mindestens 1/200 s
- 24 mm Objektiv → mindestens 1/25 s
Mit Bildstabilisator (IS/OIS/VR) kann man 2–4 Stufen langsamer belichten. Auf einem Stativ entfällt die Grenze vollständig – aber: Selbst das Drücken des Auslösers kann bei sehr langen Zeiten verwackeln. Abhilfe: Selbstauslöser (2 s Verzögerung) oder Fernauslöser nutzen.
Kurzzeit- vs. Langzeitbelichtung: zwei kreative Welten
Kurzzeitbelichtung (1/500 s und kürzer):
- Sportfotografie: Läufer, Radfahrer, Fußball – Bewegung eingefroren
- Tierfotografie: Vögel im Flug, springende Tiere
- Wasserspritzer: Tropfen werden „eingefroren" und sehen aus wie Glas
Langzeitbelichtung (1/15 s und länger):
- Wasserfälle: Das Wasser wird zu weichen, fließenden Schleiern
- Autolichter bei Nacht: Lichtspuren von Scheinwerfern
- Sternenfotografie: Sternspuren (mehrere Minuten bis Stunden)
- Lichtmalerei: Mit einer Taschenlampe Muster in die Luft „malen"
Praxistipp
Wer gezielt mit Belichtungszeiten experimentieren möchte, nutzt den Zeitvorwahl-Modus (S oder Tv): Man wählt die gewünschte Verschlusszeit, die Kamera passt Blende und ISO automatisch an. Starte mit 1/1000 s für eingefrorene Bewegung und 1/8 s für einen verwischten Wasserfall – der Unterschied ist beeindruckend.