Der Weißabgleich korrigiert Farbstiche, die durch unterschiedliche Lichtquellen entstehen, indem er die Farbkanäle so anpasst, dass Weiß tatsächlich weiß erscheint. Die Farbtemperatur wird in Kelvin gemessen, niedrige Werte erzeugen warmes, rötliches Licht, hohe Werte kaltes, bläuliches Licht. Kameras bieten automatischen, halbautomatischen und manuellen Weißabgleich, wobei bei RAW-Aufnahmen der Weißabgleich später verlustfrei korrigierbar ist.
Rubrik: Fotografie-Grundlagen > 3. Belichtung & Kameraeinstellungen Beitrag-ID: 3.11 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Der Weißabgleich (WB / White Balance) korrigiert Farbstiche, die durch unterschiedliche Lichtquellen entstehen – damit wirken Farben natürlich und neutral
- Licht hat eine Farbtemperatur (in Kelvin): warmes Licht (Glühlampe) wirkt rötlich, kaltes Licht (Bewölkung, Nebel) wirkt bläulich
- Die meisten Kameras korrigieren dies automatisch (AWB) – bei Sonnenuntergängen, Kunstlicht oder kritischen Farbansprüchen ist manuelles Eingreifen sinnvoll
Erklärung
Warum braucht die Kamera einen Weißabgleich?
Das menschliche Gehirn passt sich automatisch an verschiedene Lichtfarben an – eine weiße Wand erscheint uns sowohl bei Kerzenlicht als auch bei Tageslicht weiß. Die Kamera kann das nicht von allein: Ohne Weißabgleich würde ein Foto bei Glühlampenlicht rötlich-orange und bei bewölktem Himmel bläulich wirken.
Der Weißabgleich gleicht diese Farbstiche aus, indem er die Farbkanäle (Rot, Grün, Blau) so gewichtet, dass Weiß auf dem Foto tatsächlich weiß erscheint.
Farbtemperatur: Was bedeuten die Kelvin-Werte?
| Lichtquelle | Farbtemperatur | Farbstich ohne WB |
|---|---|---|
| Kerzenlicht | ~1.500 K | Stark rötlich-orange |
| Glühlampe (100 W) | ~2.800 K | Warm-orange |
| Halogenlampe | ~3.000 K | Warm-gelblich |
| Leuchtstofflampe | ~4.000 K | Leicht grünlich |
| Morgensonne / Abendsonne | ~5.000 K | Warm-golden |
| Mittagssonne / Bewölkung | ~5.500 K | Neutral (Referenzwert) |
| Bedeckter Himmel | ~6.500–7.500 K | Leicht bläulich |
| Nebel / Dunst | ~7.500–8.500 K | Bläulich |
| Beschattete Nordseite, Gebirge | ~9.000–12.000 K | Stark bläulich |
Merksatz: Niedrige Kelvin-Zahl = warmes, rötliches Licht. Hohe Kelvin-Zahl = kaltes, bläuliches Licht.
Die drei Arten des Weißabgleichs
1. Automatischer Weißabgleich (AWB)
- Die Kamera erkennt selbstständig die Farbtemperatur und korrigiert
- Funktioniert in den meisten Alltagssituationen gut
- Schwachstellen: Sonnenuntergänge (die Kamera entfernt die gewünschte warme Stimmung), gemischtes Licht (z. B. Fenster + Kunstlicht), stark farbige Szenen (kein neutrales Weiß im Bild)
2. Halbautomatischer Weißabgleich (Voreinstellungen)
- Der Fotograf wählt aus vordefinierten Lichtsituationen:
| Symbol / Modus | Lichttemperatur | Einsatz |
|---|---|---|
| ☀️ Sonnenlicht | ~5.500 K | Klarer Tag im Freien |
| ☁️ Bewölkt | ~7.000 K | Bedeckter Himmel |
| 💡 Kunstlicht / Glühlampe | ~2.500–3.000 K | Innenräume mit Glühlampen |
| 🔦 Leuchtstofflampe | ~4.000 K | Büros, Supermärkte |
| 🔦 Blitz | ~5.500–6.000 K | Blitzfotografie |
| 🌅 Schatten | ~8.000 K | Schattige Außenbereiche |
- Empfehlenswert, wenn die Lichtquelle bekannt und konstant ist
3. Manueller Weißabgleich
- Der Fotograf richtet die Kamera auf eine weiße oder neutralgraue Fläche (z. B. weißes Blatt Papier) und macht ein Referenzfoto
- Die Kamera nutzt dieses Foto als Farbstandard für alle Folgeaufnahmen
- Präziseste Methode – ideal für Studio, Produktfotografie und anspruchsvolle Farbwiedergabe
- Alternative ohne Referenzfoto: Graukarte (18 % Grau) mit ins Bild nehmen und den Weißabgleich später in der Bildbearbeitung korrigieren
Wann AWB gezielt deaktivieren?
| Situation | Problem mit AWB | Lösung |
|---|---|---|
| Sonnenuntergang / goldene Stunde | AWB entfernt die warmen Orangetöne → Bild wirkt flach | Modus „Sonnenlicht" oder „Bewölkt" wählen |
| Kerzenlicht-Atmosphäre | AWB kühlt das warme Licht ab → Stimmung geht verloren | Modus „Glühlampe" wählen |
| Serienaufnahmen im Studio | AWB schwankt zwischen Bildern | Manueller WB für konsistente Farben |
| RAW-Aufnahmen | WB kann jederzeit verlustfrei nachträglich korrigiert werden | AWB reicht aus – Korrektur im RAW-Editor |
Praxistipp
Wer in RAW fotografiert, muss sich beim Weißabgleich keine Sorgen machen – der WB-Wert ist in RAW-Dateien nicht gerendert und kann später in jedem RAW-Editor verlustfrei korrigiert werden. Wer in JPEG fotografiert, sollte den WB spätestens beim nächsten Bildwechsel (z. B. von draußen nach drinnen) überprüfen – JPEG backt den WB fest ein und nachträgliche Korrekturen kosten Bildqualität.