Die optimale Brennweite für Porträts liegt bei 80–135 mm, da sie Gesichtszüge harmonisch abbildet und den Hintergrund unscharf macht. Wichtig sind ein unauffälliger Hintergrund, Perspektive auf Augenhöhe der Person und weiches, diffuses Licht. Bei Kindern empfiehlt sich das Fotografieren auf Kniehöhe und kurze Belichtungszeiten. Ein Perspektivwechsel kann störende Hintergründe eliminieren.
Rubrik: Fotografie-Grundlagen > 4. Bildgestaltung & Komposition Beitrag-ID: 4.13 Erstellt: Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Die optimale Brennweite für Porträts liegt bei 80–135 mm – Weitwinkel verzerrt Gesichtszüge, Tele flatiert sie
- Der Hintergrund sollte unauffällig und unscharf sein – störende Elemente (z. B. Bäume die aus dem Kopf ragen) sofort durch Perspektivwechsel entfernen
- Aus Augenhöhe der Person fotografieren – besonders wichtig bei Kindern
Erklärung
Brennweite: Das wichtigste technische Element
| Brennweite | Wirkung | Einsatz |
|---|---|---|
| < 35 mm (Weitwinkel) | Verzerrt Gesichtszüge – Nase, Kinn und Ohren wirken überproportional | Nur für Umgebungsporträts (Person + Kontext) |
| 50 mm (Normal) | Natürlich, aber Verzerrung noch leicht spürbar | Alltagsaufnahmen, Dokumentarisch |
| 80–135 mm | Flattiert Gesichtszüge, weiche Proportionen | Ideal für klassische Porträts |
| > 135 mm | Sehr flach, komprimierend | Schnappschüsse, Candid-Fotografie |
Warum 85–135 mm?
- Die längere Brennweite erlaubt mehr Abstand zur Person → sie verhält sich natürlicher
- Weniger Schärfentiefe → Hintergrund verschwimmt automatisch
- Gesichtszüge wirken harmonischer als bei kurzen Brennweiten
Hintergrund gestalten
Der Hintergrund kann ein Porträt retten oder ruinieren.
Guter Hintergrund:
- Monoton, einheitliche Farbe, unstrukturiert
- Verschwommen durch geringe Schärfentiefe (offene Blende + Tele-Brennweite)
- Person 1–2 m von der Wand entfernt → Schlagschatten fallen nicht auf den Hintergrund
Schlechter Hintergrund:
- Viele Details und Strukturen, die mit dem Motiv konkurrieren
- Objekte die aus dem Kopf oder Körper „herausragen" (Bäume, Masten, Kirchturmspitzen)
- Gleiche Farbe wie die Person → Person verschmilzt mit Hintergrund
Lösung: Oft reicht ein kleiner Perspektivwechsel (einen Schritt zur Seite, etwas tiefer) um ein störendes Hintergrundelement zu entfernen.
Wann der Hintergrund sichtbar bleiben darf: Bei Umgebungsporträts (Person in ihrem Arbeits- oder Lebensumfeld) ist der Hintergrund wichtig für die Aussage des Bildes – z. B. Handwerker an der Werkbank, Kind beim Spielen.
Perspektive und Blickhöhe
- Augenhöhe der fotografierten Person ist fast immer die beste Wahl – natürlich, respektvoll, auf Augenhöhe
- Froschperspektive (von unten): Person wirkt imposant, mächtig, stark – aber auch hochnäsig
- Vogelperspektive (von oben): Person wirkt klein, demütig, verletzlich
- Bei Kindern: Unbedingt auf Kniehöhe oder noch tiefer gehen – aus Erwachsenenhöhe sieht man sie von oben, was sie kleiner und unbedeutender wirken lässt
Beleuchtung
- Weiches, diffuses Licht (bewölkter Himmel, Schatten) → ideal für Porträts, schmeichelhaft, keine harten Schatten
- Direktes Sonnenlicht → harte Schatten unter Nase und Kinn → ungünstig; Ausweichen in den Schatten empfohlen
- Indirekter Blitz (Decke oder Wand anblitzen) → weiches, natürliches Licht, kein Rote-Augen-Effekt
- Reflektoren (weißer Karton, weißes Laken, Alufolie) → schaffen weiches Zusatzlicht aus jeder Richtung, kostengünstig
Lichtstreifen als Effekt: Person durch Gitter oder Jalousien fotografieren – entstehende Licht- und Schattenstreifen können sehr interessante, künstlerische Porträts ergeben.
Gruppenfotos
- Mehrere Aufnahmen anfertigen – mindestens eine Person hat die Augen zu oder schaut weg
- Kleine Gruppen: locker und natürlich anordnen, nicht zu starr aufstellen
- Große Gruppen: hinten groß, vorne klein; erste Reihe kann knien/sitzen für natürlichere Staffelung
- Scharfgestellten Person: Fokus auf die Augen des Hauptmotivs
Kinderfotografie – Besonderheiten
- Auf Augenhöhe des Kindes fotografieren (kniend, sitzend, liegend)
- Kinder im Alltag fotografieren statt inszenieren → natürlichere, charakterstärkere Bilder
- Kurze Belichtungszeiten wählen (Kinder bewegen sich schnell) → Kamera-Motivprogramm „Kinder" oder S/Tv-Modus mit 1/250 s+
- Aus der Distanz und unbemerkt: authentischer als direkt vor der Kamera
Praxistipp
Der häufigste Porträtfehler: Kamera im Querformat und von Stehhöhe. Lösung: Kamera hochkant drehen und sich auf die Knie setzen (bei Kindern) oder auf Augenhöhe der Person gehen. Gleichzeitig: Blende auf f/2,8 oder f/4 öffnen und 85–135 mm Brennweite verwenden. Das reicht schon für ein deutlich professionelleres Ergebnis – ohne Studioequipment.